Kra­nio­plas­tie­ma­te­ria­li­en – Geschich­te und Gegen­wart

Wie bereits in der His­to­rie der Kra­nio­plas­tie ange­spro­chen, wur­den vor tau­sen­den von Jah­ren für die ers­ten pri­mi­ti­ven Kra­nio­plas­ti­ken unter ande­rem Edel­me­tal­le, dann im spä­ten 19. Jahr­hun­dert jedoch ers­te Kno­chen­trans­plan­ta­te für die Kra­ni­al­de­fekt­re­pa­ra­tur ver­wen­det. Die zwei Welt­krie­ge des 20. Jahr­hun­derts und die zahl­rei­chen damit ein­her­ge­hen­den Ver­let­zun­gen zeig­ten auf, dass die Ver­sor­gung mit Eigen­kno­chen auf­grund der limi­tier­ten Ver­füg­bar­keit im Zusam­men­hang mit erhöh­ten Infek­ti­ons­ra­ten und der Not­wen­dig­keit einer Neben­ope­ra­ti­on an der Kno­chen-Donor­stel­le, nicht aus­rei­chend war.

Mats­u­no et al. berich­ten von Infek­ti­ons­ra­ten von über 25 % beim Ein­satz von Eigen­kno­chen. In die­sem Zuge wur­de eben­falls mit Tier­kno­chen von Hun­den, Affen, Gän­sen, Hasen oder Käl­bern expe­ri­men­tiert. 1901 berich­tet Mar­chand, dass gekoch­te und per­fo­rier­te Tier­hör­ner wie von Büf­feln oder sogar Elfen­bein beson­ders bio­kom­pa­ti­bel sei­en.

1915 berich­tet Mores­tin den Ein­satz von mensch­li­chem Kada­ver-Knor­pel zur Deckung eines Kra­ni­al­de­fek­tes. Die­ser Knor­pel wies jedoch kei­ne signi­fi­kan­te Kal­zi­fi­zie­rung an der Ein­satz­stel­le auf und war gene­rell zu schwach, um aus­rei­chen­den mecha­ni­schen Schutz zu bie­ten. Die Ste­ri­li­sie­rung und Behand­lung des Mate­ri­als für den Ein­satz schwäch­ten es zusätz­lich. Durch hohe Raten von auf­tre­ten­den Infek­tio­nen und Resorp­tio­nen setz­te sich die­se Behand­lungs­me­tho­de län­ger­fris­tig nicht durch.

In die­sen Zeit­raum fal­len eben­falls Ver­su­che zur Ver­wen­dung von star­ken, form­ba­ren und leich­ter ste­ri­li­sier­ba­ren Mate­ria­li­en wie Alu­mi­ni­um. Unglück­li­cher­wei­se ver­ur­sach­te die­ser Werk­stoff jedoch Ent­zü­dun­gen des umlie­gen­den Weich­ge­we­bes, sowie Anfäl­le und lös­te sich lang­sam am Ein­satz­ort auf, was schluss­end­lich wie­der zur Abkehr von die­sem Mate­ri­al führ­te. Wei­te­re Metal­le wie Blei, Tan­tal oder sogar Pla­tin wur­den ver­wen­det. Wäh­rend Blei erwart­ba­re Toxi­zi­täts­er­schei­nun­gen und damit rela­tier­te Todes­op­fer mit sich brach­te, konn­ten Tan­tal und Pla­tin zwar mit eini­gem Erfolg ange­wandt wer­den, waren jedoch auf­grund ihres hohen Mate­ri­al­prei­ses nicht für den mas­sen­haf­ten Ein­satz geeig­net.

Vor allem Pla­tin zeig­te gute Bio­kom­pa­ti­bi­li­tät und kei­ne Ent­zün­dungs­er­schei­nun­gen des umlie­gen­den Gewe­bes. Ähn­lich ver­hielt es sich mit Tan­tal, des­sen Ein­satz jedoch Fäl­le von Kopf­schmer­zen durch Wet­ter­füh­lig­keit, auf­grund der hohen Wär­me­leit­fä­hig­keit Mate­ri­als ergab. Auch Gold und Sil­ber brach­ten ähn­lich posi­ti­ve Ergeb­nis­se wie Pla­tin, hat­ten aber den glei­chen Nach­teil der Kos­ten­in­ten­si­vi­tät. Zudem führ­te Sil­ber zusätz­lich zu Ver­fär­bun­gen des Skalps.

Neben Metal­len, Auto- und Allo­trans­plan­ta­ten sowie Poly­me­ren wur­de eben­falls mit anor­ga­ni­schen Kera­mi­ken ver­sucht, ein geeig­ne­tes Kno­chen­sub­sti­tut zu fin­den. Es liegt nahe, den natür­li­chen Kno­chen mit Cal­ci­um­phos­phat, genau­er mit Hydro­xyla­pa­tit (Ca5[OH|(PO4)3]), zu erset­zen – der nati­ven Bau­sub­stanz von Kno­chen. Vor­tei­le die­ses Mate­ri­als sind die gute Bio­kom­pa­ti­bi­li­tät und Osseo­in­te­gra­ti­on, sowie gute Vas­ku­la­ri­sie­rung durch die Poro­si­tät des Mate­ri­als. Nach­tei­le sind die aus­ge­präg­te Spröd­heit und Fra­gi­li­tät, wie bei vie­len Kera­mi­ken, sowie die poten­ti­el­le Anhef­tung von Kei­men inner­halb des porö­sen Mate­ri­als. Den­noch war Hydro­xyla­pa­tit vie­le Jah­re das prä­fe­rier­te Mate­ri­al zur Schlie­ßung von kra­nia­len Hart­ge­we­be­de­fek­ten, obwohl eine gute Osseo­in­te­gra­ti­on im Pati­en­ten oft erst nach 6 Mona­ten oder mehr erzielt wird. Zwi­schen­zeit­lich kann das Tra­gen eines Hel­mes vor Bruch des Implan­ta­tes schüt­zen.

Oft­mals wird heut­zu­ta­ge Poly­me­thyl­me­thacry­lat (PMMA) zur Deckung von Kra­ni­al­de­fek­ten, wel­ches erst­ma­lig in den 1950er Jah­ren am Pati­en­ten benutzt wur­de, ange­wandt. Das flüs­si­ge, mono­me­re Methacry­lat wird mit oder ohne Guss­form und mit einem Radi­kal­star­ter unter star­ker Hit­ze­ent­wick­lung im Ope­ra­ti­ons­raum poly­me­ri­siert, sodass gehär­te­tes (und geform­tes) PMMA ent­steht, wel­ches zurecht­ge­schnit­ten wer­den kann. Bei die­ser Art der Her­stel­lung kön­nen jedoch nie alle Radi­ka­le und Mono­me­re aus dem Pro­zess aus­ge­wa­schen wer­den, sodass immer Rest­mo­le­kü­le im Ein­satz­ort hin­ter­blei­ben und frei­ge­setzt wer­den. Dies kann zu Ent­zün­dungs­er­schei­nun­gen oder Rei­zung des umlie­gen­den Gewe­bes füh­ren, bis hin zur Not­wen­dig­keit einer Explan­ta­ti­on. Bei In-vivo-Anwen­dun­gen von PMMA, wie z. B. bei einer Hüft­to­tal­en­do­pro­the­se, wird im Ein­satz­ort des Pati­en­ten das Implan­tat im Gelenk direkt her­ge­stellt. Bei die­sem Ver­fah­ren wer­den noch grö­ße­re Men­gen Radi­ka­le und MMA-Mono­me­re im Pati­en­ten frei, was zu einer Kno­chen­ze­ment­re­ak­ti­on füh­ren kann, mit – je nach Schwe­re­grad – berich­te­ten 30-Tage-Mor­ta­li­täts­ra­ten von bis zu 88 %.

Zusätz­lich zu PMMA gibt es noch eine gan­ze Rei­he von ande­ren Werk­stof­fen, die bei der Her­stel­lung von pati­en­ten­spe­zi­fi­schen Schä­del­im­plan­ta­ten zum Ein­satz kom­men. Jedes die­ser Mate­ria­li­en weist indi­vi­du­el­le Vor- und Nach­tei­le auf und es kann momen­tan nicht für jeden Anwen­dungs­fall und jeden Pati­en­ten pau­schal das bes­te Mate­ri­al emp­foh­len wer­den. Die Wahl des zum Defekt am bes­ten pas­sen­den Werk­stoffs liegt im Ermes­sen des behan­deln­den Arz­tes und soll­te von Fall zu Fall indi­vi­du­ell durch­dacht und ent­schie­den sein.

Abge­lei­tet aus den vor­ab genann­ten Erfah­run­gen und Erkennt­nis­sen soll­ten idea­le Kra­nio­plas­tie­ma­te­ria­li­en fol­gen­de Eigen­schaf­ten auf­wei­sen:

  • Passt sich per­fekt an Defekt und Ana­to­mie an
  • Strah­len­durch­läs­sig­keit für ver­bes­ser­te (Post-OP-)Diagnostik
  • Infek­ti­ons­re­sis­tent, bio­film-/keim­ab­wei­sen­de Ober­flä­chen­ei­gen­schaf­ten
  • Kein Schrump­fen oder Aus­deh­nen bei Wär­me
  • Bruch­si­cher aber auch elas­tisch
  • Kno­chen­ähn­li­che Eigen­schaf­ten
  • Leicht intra­ope­ra­tiv zu bear­bei­ten
  • Kos­ten­güns­tig
  • Leicht und schnell anzu­wen­den

Bei 3di haben wir uns auf drei Mate­ria­li­en spe­zia­li­siert, wel­che die hohen Ansprü­che an ein Kno­chen­er­satz­ma­te­ri­al im Schä­del­be­reich erfül­len und über einen lan­gen Zeit­raum erprobt sind. Somit kön­nen wir fle­xi­bel auf unter­schied­li­che medi­zi­ni­sche Anfor­de­run­gen reagie­ren und für eine Band­brei­te an Defek­ten Lösun­gen anbie­ten. Die von uns ver­wen­de­ten Implan­tat­werk­stof­fe, sind die keim­ab­wei­sen­de Glas­ke­ra­mik BIOVERIT®II, die metal­li­sche Titan­le­gie­rung Ti6Al4V und der ther­mo­plas­ti­sche Kunst­stoff Poly­ether­ether­ke­ton (PEEK). Unse­re pati­en­ten­spe­zi­fi­schen Implan­ta­te wer­den der­zeit mit­tels CNC-Frä­sen direkt bei uns in Jena gefer­tigt, so dass der Zeit­auf­wand und ande­re Risi­ken im Ver­gleich zu einer Fer­ti­gung direkt im OP ent­fal­len.

Übersicht verschiedener Implantate aus unterschiedlichen Materialien

Die­se drei von uns ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en wer­den wir in den kom­men­den Bei­trä­gen noch etwas näher beleuch­ten und ein paar inter­es­san­te Fak­ten vor­stel­len.

Quel­len

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